• Kathie

Über bunte Kreide, Kreissäle und die Freundschaft

Aktualisiert: 27. Juli 2018

Ihr Lieben,

es ist passiert.

Unsere kleine Greta hat ihren ersten Geburtstag gefeiert.


Am Sonntag, bei allerschönstem Wetter mit der Familie und den Freunden, mit ganz viel Seifenblasen und Luftschlangen, Ballons und Geschenken, Kuchen und Früchten und Süsskram und Saft.





Und ja - was soll ich sagen. Es war emotional.


Morgens, nach dem Aufwachen - Greta war wie immer ihr strahlendes Selbst und hat mit der Sonne um die Wette gelacht - hat die Mutti erstmal eine Runde geheult.

Vor Glück. Vor Rührung. Vor Schock, dass die Geburt bereits wieder ein Jahr her ist.


Nach dem Frühstück, beim Geschenke auspacken..... hat die Mutti ebenfalls erstmal wieder ein oder zwei Tränchen verdrückt.

Vor Rührung wieder, vor Stolz... und vor Freude über ihre Freude.

... ihr könnt euch es vorstellen.


Zu der Feier gibt es dann eigentlich gar nicht soviel zu erzählen.

So eine Kindergeburtstagsfeier zu geben war ja noch vor ein paar Jahren ziemlich einfach: Buddelsachen in den Sandkasten, einen Kuchen auf den Tisch und ein paar Safttüten und dann schön Füsse hoch und Kids machen lassen.


Heute ist es dann ja eher der selbstgemachte Perfektionismus der einen antreibt, 35 verschiedene Kuchen anzubieten, 8 Sorten Kaffee, 3-Gang-Menüs und das ganze vegan, gluten-, lactose- und zuckerfrei.

Natürlich müssen dann auch alle anderen Mamas fürstlich versorgt und der Garten und das Haus in ein Spieleparadies verwandet werden.

Selbstverständlich alles geschmückt, sauber und ordentlich.


Über den Irrsinn, VOR dem Besuch alles aufzuräumen, hatte ich ja schon mal geschrieben.

Dieser Druck, alles perfekt zu haben... wie blöd man doch ist, oder? Es macht keinen Sinn zu wischen, wenn 10 Minuten später Kinder mit bunter Strassenkreide-Füssen und Kuchenhänden durch die Bude rennen.


Ich mache es trotzdem.

Irgendwie muss man ja auch ja auch eine Macke haben.


Wie auch immer: Alles in allem war es wirklich ein echt toller Tag.


Und eine Freundin hat ihn dann letztlich noch perfekt gemacht und einen kleinen süßen und tollen Jungen zur Welt gebracht.

Da hat die Mutti wieder einmal geheult übrigens.


Da ich nun also gerade bei Geburten bin... so viele von euch haben mich nach meinem letzten Beitrag gefragt, was denn nun "besser" sei: eine spontane Geburt oder ein Kaiserschnitt.

Gewissermaßen bin ich dadurch, dass ich beides hatte, nun ein Geburtsexperte. (Was ich sicher nicht bin)


Tja, was soll ich euch sagen?! So eine Geburt ist ja nie schön. Oder sauber. Oder schmerzfrei. Oder leicht.

Und keine Geburt ist wie die andere.

Schön ist es nur NACH der Geburt.

Und da ist es eigentlich egal WIE das Kind zur Welt kam. Geburt ist Geburt. Der Moment ist magisch und unbezahlbar, emotionsgeladen.... lest einfach mal meinen vorherigen Beitrag.


Allerdings gebe ich unverfroren zu: WÄHREND der "normalen" Geburt habe ich mir mehrmals gewünscht, Greta schon vor Tagen per Kaiserschnitt holen gelassen zu haben.


HINTERHER war ich froh, dass sie so zur Welt gekommen ist.

Denn ein Kaiserschnitt ist NACH der Geburt schmerzhaft.


Zwar vergisst man diesen Schmerz auch recht schnell... aber abgesehen davon, dass man nach einer Geburt das Gefühl hat das sämtliche Organe im Inneren runterrutschen (da sie wieder mehr Platz haben, weil die Gebärmutter nicht mehr die Größe eines überdimensionalen Halloween-Kürbisses hat) ... und das JEDES mal wenn du aufstehst.

... nein, nach einem Kaiserschnitt hat man DAZU noch das Gefühl, man reisst einfach in der Körpermitte auseinander.

Das sind übrgens auch so Sachen, die einen vor und während einer Schwangerschaft NIEMAND sagt, die aber in dem Moment vollkommen egal ist.


Vorsicht, es wird bildlich jetzt. Bei Bedarf bitte Absatz überspringen.


Ein Kaiserschnitt ist, wie gerne mal vergessen wird, eine offene Bauch-OP.

Natürlich ist es schöner, weil man hinterher keine gesprengten Gallensteine oder so bekommt, sondern einen perfekten kleinen neuen Erdenbürger. Aber dennoch: Es ist eine Operation.

Man wird nach einem kleinen Schnitt einmal in der Körpermitte von Hüftknochen zu Hüftknochen aufgerissen und ein Arzt stützt sich mit seinem Ellbogen auf deinen Bauch während ein anderer dein Baby mit zwei Händen aus dir herauszieht.

Das ruckelt übrigens ordentlich den ganzen Körper durch.


Klingt nicht so romantisch?

Stimmt.

Interessant dass alle behaupten, ein Kaiserschnitt sei "der einfache Weg".


Also wenn ich es mir echt überlege: Ich würde immer wieder die "normale" Geburt wählen wenn ich die Wahl hätte und noch ein Kind bekommen würde.


Aber letzlich ist es egal...... Hauptsache das Baby ist gesund und liegt in deinen Armen.


Jede Mama hat während der Schwangerschaft UND der Geburt Grossartiges geleistet. Sie kann stolz sein auf sich und ihren Körper und was der kann. Und zwar egal, auf welche Art und Weise das Kind zur Welt kam.


Aber zurück zu meiner Freundin. Ihr Sohn, der kleine süsse Kerl, hat nun also am selben Tag wie Greta Geburtstag.

Uns verbindet noch mehr: Die große Schwester des Kleinen, nur ein Jahr älter, durfte ich noch im Kreissaal kennenlernen (ich war gerade im Kreissaal gegenüber, zum CTG mit Greta im Bauch, das war wirklich ein toller Moment) und bei seiner ältesten Schwester war ich bei ihren ersten Schritte dabei.

So eine schöne Verbindung zwischen Freunden oder?


Freundschaft ist doch wirklich eine großartige Sache, oder?


Ich habe das Glück soviele wunderbare Freunde zu haben, mit denen ich bereits soviele tolle Momente erleben durfte.


Freundinnen, die ich bereits seit meinen ersten Schritten kenne, also einfach schon immer, Freunde, die in guten und weniger guten Momenten an meiner Seite waren, die mich ohne Worte verstehen, mit denen ich geweint und gelacht habe oder vor lauter Lachen geweint, Freunde die am Altar an meiner Seite standen (und ich an ihrer) und Freunde, die Taufpaten meiner Kinder sind.


Freunde, die mehr bedeuten, als Worte ausdrücken könnten.


Es sind Freunde, mit denen ich unzählige unermesslich wichtige Erinnerungen teile.


Eine von ihnen meinte übrigens mal: "Schreib doch mal über unsere Erlebnisse!" Würde ich gerne... aber ich fürchte das ist nur für uns interessant und wichtig und witzig. Und man würde mich sicherlich für total durchgeknallt abstempeln. Es ist eben Situationskomik. Ich denke für alle anderen Leser wäre es eher wie für die Frauengruppe neulich am Nebentisch, die sich über uns und unsere Gespräche so herrlich fürchterlich echauffiert haben. (Sorry... aber ihr lieben Damen... ZIEHT MAL DEN STOCK AUS DEM HINTERN!)

Naja, wenigsten hatten sie so ein Gesprächsthema.


Wenn ich mich hier so umgucke, und die ganzen Girlanden und Luftschlangen, die hier noch hängen, betrachte, dann wünsche ich mir für meine Mädchen, dass sie auch solche Freunde finden, bei denen ihnen immer die Tür aufsteht und wo sie immer eine Schulter zum Anlehnen finden.

Genau wie bei uns zu Hause natürlich.


Hach, ihr lieben Leute. Das Leben ist schön. Und manchmal so leicht.


Ich wische nun nochmal den Apfelsaft vom Boden.


Schöne Woche euch!