• Kathie

Über Leere im Kopf, Strohballen und Erwartungen

Aktualisiert: 6. Juli 2018

Liebe Leute, ich habe eine (stroh-bedingte) Schreibblockade.

Normalerweise sind die Worte, die ich euch mitteilen möchte einfach da.

Einfach so.

In meinem Kopf.


Aber heute.... heute ist da nichts. Es ist wie ein Störbildschirm.

In meinem Kopf herrscht Leere.

Und ab und zu fegt so ein kleiner Strohballen durch die lange, heisse, öde Kopf-Wüste.


Normalerweise würde ich ja einfach schreiben: Nix von mir diese Woche... bis nächste! Aber da ich gerade letzte Woche versprochen hatte dass es dieses Mal keine Pause geben wird, erzähle ich euch einfach mal (wie immer eigentlich) von meiner Woche.


Denn apropos Strohballen (im Kopf und in der Realität): Hatte ich mal erzählt, was für eine tolle, ober-harmonische Kindheit ich hatte? Picknicken auf der Wiese, Butterblumenkränze für das Haar flechten, werkeln mit Opa in der Holzwerkstatt, Backen mit Oma, Rad fahren ohne Verkehr, den Wald entdecken, Felder, Flüsse.... Die absolute, vollkommene Erdbeerwelt.

Denkt mal an das idyllischste "Bergdoktor"-Bild (ohne Berg) bei strahlendem Sonnenschein:

Meine Kindheit war genau so und noch hundert mal besser.


Auf jeden Fall: Wenn im Sommer die Ballen gepresst wurden, durften wir immer einen umschubsen und drauf klettern. Dort haben meine Geschwister und Freunde und ich dann gelegen, in den Wolken "gelesen", Eis gegessen und Geschichten erzählt.

Kein Handy, kein Druck, kein Stress.

Wie sehr ich mir das auch für meine Kinder wünsche!


Diese Woche habe ich dem Wunsch dann Folge geleistet und hab (Sorry an den Landwirt) einen Strohballen umgeschubst und Sophia draufgestellt. Irgendwie folgte der Romantik in meinem Kopf ein wenig die Realität:

Das Stroh pikst und Sophia war nur so semi-begeistert.

Aber allein der Geruch nach Sommer und der Blick in den Horizont, ohne Menschenseele, soweit das Auge reicht.... das hat mir den Tag verschönert.





Vielleicht daher auch die heutige Blockade: Ich will raus. Raus auf das Feld.


Allerdings stecken meine Füsse gerade in einem Fußbad, um den Acker da irgendwie wieder abzubekommen und das bisschen Haushalt wartet auch noch auf mich.

Also schreibe ich euch doch lieber.


Ist das nicht schön: Ihr seid mir wichtiger als Sauberkeit.


Also: Was war so los diese Woche? Tatächlich mal überraschend wenig.

Kostprobe?


Mein Vater hat es geschafft schwer zu stürzen und sich einen Rippenbruch, einen doppelten Armbruch, einen Handbruch und viele viele Hämatome zuzuziehen. (Glück im Unglück, hätte auch schlimmer ausgehen können)

Greta hat es geschafft mit der strikten Krabbel-Weigerung dem Kinderarzt ein paar Physio-Termine aus den Rippen zu leiern, damit Mama ENDLICH mal wieder was zu tun hat und Sophia hat es geschafft so zu fallen, dass ihre Lippe aufplatzte und Boden, Hosen und Tapeten vollbluten konnte.


Voll easy also alles, wie ihr seht.

Innerlich haue ich gerade mit meinem Kopf auf die Tischplatte. Könnt ihr das Klopfen hören?


Wenn ich es mal schaffe eine Woche bei keinem Arzt oder in keiner Notaufnahme zu sitzen öffne ich eine Flasche Sekt und ihr seid eingeladen. Versprochen!


Der ganz normale Wahnsinn eben.


Da ihr aber ZU RECHT trotzdem ein paar Zeilen hier erwartet, dachte ich, ich schreibe euch einfach mal ein bisschen was zu Erwartungen.


Alle zum ersten Mal werdenden Eltern überlesen das allerdings bitte oder nehmen mich nicht ernst.


Es gibt einige Dinge, die ich auch mal geglaubt habe und von denen ich erwartet habe, dass sie ganz easy werden.


Dinge wie:

Kinder werden sich mit Spielzeug beschäftigen.

Oder: Nach einer schlimmen Phase wird es besser.

Sie sind irgendwann aus dem Gröbsten raus...

Oder (darüber muss ich immer noch selbst lachen und mein früheres Ich für verrückt erklären):

Wenn die Kids soviel gerannt sind und gespielt haben werden sie abends hundemüde sein.


Dazu nur ein müdes, durch die Augenringe verdecktes Augenrollen von mir.


Übrigens: Spielzeug ist IMMER total uninteressant. AUSSER es steht noch im Laden. Oder es gehört jemand anderem (vorzugsweise der kleinen Schwester). Oder jemand anders möchte damit spielen (auch hier - die kleine Schwester). Oder eben es ist nach 19.30 Uhr.


Ich hatte zwar extra zwei von den Kids gemacht, (HERRSCHAFTSZEITEN NOCHMAL!) damit ich nicht mitspielen muss, ich Mutter des Jahres... aber das hat irgendwie auch nicht funktioniert.


Aber wir arbeiten dran.


Gestern zum Beispiel hat mein Mann die drei magischen Worte gesagt:

"Die Kinder schlafen!"

Das war so schön.

Von kurzer Dauer zwar, aber schön.


Ihr merkt. Schlaf ist hier ein kleines Thema gerade. Ganz klein. Ich habe ja eine Schlafstörung (bzw zwei).


Also eventuell befinde ich mich wohl gerade in einer Phase, wo ich meine Kinder für ein oder zwei Tage gern auf den Mond schießen würde... bzw nur eine Nacht. Allerdings ist das unmöglich, man muss in einem Raumschiff ja zumindest während des Starts kurz sitzen bleiben. Hat sich also damit wohl erledigt.


Ach was soll ich sagen.... Jede Mama kennt's.


Man kann nicht in Worte fassen wie sehr man seine Kinder liebt (hier wird jede Erwartung vollkommen ÜBERTROFFEN)... aber manchmal liebt man eben auch so 3 Stunden Schlaf am Stück.

Aber man kann ja nicht alles haben.


So oft habe ich Momente in meiner Erziehung, in denen ich nicht weiss ob ich eine Moralpredigt halten soll oder mich doch eher für ein High-Five entscheiden soll. Es ist eine Gradwanderung zwischen Stolz und Verzweiflung, Spass und Nervenzusammenbruch, Trotzphase und Kuschelzeit.


Aber egal wie: Ohne Erwartung keine Enttäuschung. Liebe Mamas: Erwartet nicht zuviel von euch selbst. Lacht über euch. Habt Spass.

Wir rocken das schon.


Bis nächste Woche! Ich erwarte Besserung von meiner Leere im Kopf. Ihr findet mich auf den Strohballen!